Thomas Radermacher (r.), Präsident der Handwerkskammer zu Köln, und Sebastian Beuchel (l.), Abteilungsleiter Standortpolitik der Handwerkskammer zu Köln, stellten die Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor.
WirtschaftslageHandwerkskonjunktur im Kammerbezirk Köln setzt Seitwärtsbewegung fort
Die Handwerkskonjunktur im Kammerbezirk Köln lässt auch im Frühjahr 2026 positive Impulse vermissen und setzt ihre Seitwärtsbewegung mit leichtem Negativtrend fort. Insbesondere der sich fortsetzende Nachfragerückgang bei gleichzeitigen Kostensteigerungen belastet die Handwerksbetriebe in der Region Köln/ Bonn.
Rund 1.150 Betriebe haben sich vom 16. bis 31. März 2026 an der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer zu Köln beteiligt. Präsident Thomas Radermacher stellte den Konjunkturbericht sowie die Ergebnisse einer Sonderumfrage zu Energiekosten am Donnerstag (23. April 2026) vor. Die Bewertung der aktuellen Lage fällt angesichts eines herausfordernden Marktumfelds durchwachsen aus: 32 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut, 47 Prozent als befriedigend und 21 Prozent als schlecht. Der Geschäftsklimaindex – ein Mix aus aktueller Geschäftslage und zukünftigen Erwartungen der Betriebe – hat im Vorjahresvergleich vier Zähler eingebüßt und liegt aktuell bei 105 Punkten.
Thomas Radermacher, Präsident Handwerkskammer zu Köln: "Wir betrachten die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung im regionalen Handwerk mit Sorge. Eine rückläufige Nachfrage trifft auf weiter steigende Kosten in den Bereichen Energie, Lohnnebenkosten und Material. In Anbetracht dieser Gemengelage zeigen die Betriebe eine bemerkenswerte Stabilität, sind jedoch dringend auf positive Impulse aus der Politik angewiesen. Denn die aktuelle Lage ist auch keine vorübergehende Konjunkturdelle, sondern das Ergebnis einer strukturellen Krise. Notwendig sind strukturelle Reformen, um die Standortkosten zu senken – bei Sozialabgaben, Energiepreisen und Bürokratie. Nur so kann sich die Lage im Handwerk wieder verbessern."
Der Blick auf die unterschiedlichen Gewerkegruppen zeigt ein einheitliches, eher negatives Bild: Abgesehen vom Lebensmittelgewerbe – das auf niedrigem Niveau stagniert – hat sich die Geschäftslage in allen Gewerkegruppen im Halbjahresvergleich moderat verschlechtert.
Umsatz- und Auftragslage weiter rückläufig – Beschäftigung im Handwerk schrumpft
Wie in der Vorjahresumfrage stehen vor allem die Umsatz- und Auftragslage unter Druck: So geben 38 Prozent der Betriebe einen sinkenden, 42 Prozent einen unveränderten und 20 Prozent einen steigenden Umsatz an. Auch die Nachfrage nimmt ab: Rund 41 Prozent melden einen sinkenden und lediglich 19 Prozent einen steigenden Auftragseingang; bei 40 Prozent ist er „unverändert“. Auch vom Arbeitsmarkt kommen keine positiven Signale: Fast jeder vierte Betrieb baute im letzten halben Jahr Personal ab. Ausschlaggebend hierfür sind vor allem die Renteneintritte der geburtenstarken Jahrgänge. Trotz Konjunkturflaute meldet jeder dritte Betrieb offene Stellen.
Durchwachsene Lageentwicklung in den Regionen des Kammerbezirks
Mit Blick auf die unterschiedlichen Regionen des Kammerbezirks lässt sich ein gemischtes Fazit ziehen: In allen Kreisen und kreisfreien Städten liegt das Geschäftsklima weiterhin über der Marke von 100 Punkten, gleichbedeutend mit einer positiven bis befriedigenden Grundstimmung im regionalen Handwerk. Gleichzeitig ist das Klima in sechs von sieben Kreisen und kreisfreien Städten im Halbjahresvergleich rückläufig, besonders deutlich im Oberbergischen Kreis und im Rhein-Sieg-Kreis. Eine positive Entwicklung hingegen zeigt sich in Bonn.
Der Blick in die Zukunft fällt durchwachsen aus
Ein konjunktureller Aufschwung ist kurzfristig nicht zu erwarten. Lediglich 20 Prozent der befragten Betriebe rechnen im kommenden Halbjahr mit einer verbesserten, 59 Prozent mit einer unveränderten und 21 Prozent mit einer schlechteren Geschäftslage. Während der überwiegende Teil der Gewerkegruppen mit einer Stagnation oder einer leichten Lageverschlechterung rechnet, sind die Betriebe im Handwerk für personenbezogene Dienstleistung etwas optimistischer gestimmt: 31 Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung, 58 Prozent keine Veränderung und nur elf Prozent eine Verschlechterung der Geschäftslage.
Zunahme von Energiekosten belasten die Betriebe
Neben der Konjunktur hat die Handwerkskammer zu Köln im Rahmen einer Sonderumfrage den Fokus auf das Thema Energiekosten gelegt. Dabei zeigt sich, dass die Energiekosten als Anteil am Umsatz der Betriebe in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. So ist der durchschnittliche Anteil von 5,7 Prozent im Jahr 2020 auf 9,0 Prozent im Jahr 2025 angestiegen. Präsident Thomas Radermacher: "Die Ergebnisse unserer Umfrage unterstreichen den dringenden Bedarf an ganzheitlichen Lösungen. Unsere Betriebe geben fast 10 Cent von jedem verdienten Euro für Energiekosten aus. Eine kurzfristige Senkung der Mineralölsteuer ist insofern vielleicht gut gemeint, löst das Problem hoher Energiekosten aber nicht ansatzweise und überdeckt notwendige Preiseffekte. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte dauerhafte Stromsteuersenkung hingegen würde allen Betrieben zugutekommen und hat das Potenzial, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren."
Letztlich belasten gestiegene Energiekosten nicht nur die Handwerksbetriebe: In der Umfrage gaben 59 Prozent der Betriebe an, gestiegene Energiekosten an ihre Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Die Entwicklungen bei den Energie- und Spritpreisen führen also unmittelbar dazu, dass handwerkliche Produkte und Dienstleistungen teurer werden.
Indes hat mehr als die Hälfte der Betriebe (61 Prozent) bereits Maßnahmen zur Energiekostensenkung ergriffen oder plant diese. Dabei liegt der Fokus auf energieeffizienteren Anlagen und Maschinen, der Eigenerzeugung von Strom und auf Speichertechnologien.
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